Ortstermin. Die baz lässt in einer Serie Menschen aus dem St.Johann und Kleinbasel zu Wort kommen. Den Auftakt macht ein Anwohner der Voltastrasse (Artikel links). R. Heeb



Schon heute leben fast 30 Prozent der Basler Bevölkerung im Norden der Stadt. Wenn die Nordtangente fertig gebaut ist, sollen nochmals Hunderte von neuen Wohnungen und Tausende von Arbeitsplätzen entstehen.

Wer heute über die Dreirosenbrücke zum Voltaplatz fährt, kann sich kaum vorstellen, dass dieser wenig einladende Unort in den nächsten Jahren zu einer gefragten Wohnadresse und einem Ort höchster Wertschöpfung werden soll. Genau dies ist aber das Ziel, dass die Regierung mit ihrem «Stadtentwicklungsprogramm Basel Nord» verfolgt, das als einer von sechs Schwerpunkten in den Politikplan 2005 bis 2008 Aufnahme gefunden hat.
Um aufzuzeigen, was gegenwärtig in Basels Norden alles zur Aufwertung der Quartiere entlang der Nordtangente läuft, hat das Baudepartement zusammen mit privaten Sponsoren eine Ausstellung in der Voltahalle auf die Beine gestellt. Erstmals werden dort in einer Gesamtschau die über 40 Projekte vorgestellt, die zum Aufschwung des Gebietes beitragen sollen, das nach Einschätzung des Baudepartements «das grösste Potenzial für die Stadtentwicklung Basels aufweist».

DAS LEIDEN LOHNT SICH. Mit der Werkschau in der Voltahalle wolle die Regierung der Bevölkerung vor Augen führen, dass es sich lohnt, die vorübergehende Beeinträchtigung der Lebensqualität durch den Nordtangenten-Bau und andere Grossprojekte wie den Campus der Novartis in Kauf zu nehmen, erklärte Baudirektorin Barbara Schneider bei der Vorstellung des Projekts. Zudem sollen mögliche Investoren, Stadtplaner und Politiker mit einer Art städtischem Marktplatz der Ideen davon überzeugt werden, dass die grossen Hoffnungen für die Entwicklung von Basel Nord durchaus Hand und Fuss haben.

Entscheidend dafür, dass die lange vernachlässigten Gebiete an der Peripherie der Stadt ihr Potenzial entfalten können, ist die Fertigstellung der Nordtangente. Dies soll gemäss Tiefbauamt-Leiter Roger Reinauer Mitte 2008 der Fall sein. Parallel dazu soll in den nächsten vier Jahren mit finanzieller Unterstützung des Bundes auch das Lokalstrassennetz im Umfeld der heutigen Autobahnbaustelle an die Bedürfnisse der Anwohner angepasst werden.

MODELLE VERBRANNT. Die demnächst beginnende Umwandlung der Entenweidstrasse zu einem Boulevard und die Anknüpfung der Tramlinie 1 an den Bahnhof St. Johann wird zwar bis ins Jahr 2009 die Geduld der Anwohner im St. Johann zusätzlich strapazieren. Danach sollen aber auch entlang dem Grossbasler Teil der Nordtangente ähnliche Verhältnisse wie heute bei der Horburgstrasse entstehen. Seit dort 80 Prozent des Verkehrs unter die Erde verlagert worden sind, werde in dieser Gegend stark in den Wohnungsbau investiert, betonte Schneider.

Dass sich solche Prozesse nur bedingt bis ins Detail steuern lassen, musste das Baudepartement bei der Planung der Ausstellung in der Voltahalle am eigenen Leib erfahren. Etliche Modelle, die zusammen mit Installationen und Videos die Perspektiven in Basel Nord illustrieren sollten, sind bei einem Brand im Modellbauatelier be-schädigt oder zerstört worden. Auch ohne diese Modelle vermittelt die Schau aber noch immer eine recht konkrete Vorstellung vom Programm, das hinter den Millioneninvestitionen in Basels Norden steckt.

Erschienen am: 16.09.2005